Augenerkrankungen

Cystoides Makulaödem, Glaukom, Durchblutungsstörungen des Auges: bei welchen Augenerkrankungen die HBO im Rahmen von Studien infrage kommt.

Weitere IndikationenFür Ärztinnen und Ärzte

Bei Indikationen im Bereich der Augenerkrankungen liegen bislang nur klinische Ergebnisse im Sinne von Erfahrungsberichten vor, die einer kritischen Analyse unter dem Gesichtspunkt evidenzbasierter Medizin nicht standhalten. Auf Basis der vorliegenden Literaturübersichten kommt der Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) bei diesen Indikationen im Rahmen von Studien mit entsprechender Vor- und Nachbereitung der Fälle, nach Aufklärung und mit Einwilligung der Patientinnen und Patienten infrage:

  • Glaucoma simplex (Weitwinkelglaukom, im Gegensatz zum akuten Engwinkelglaukom)
  • Ischämie der vorderen Augenabschnitte
  • Cystoides Makulaödem (siehe unten)
  • Nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie
  • akuter und subakuter arterieller Verschluss im Versorgungsbereich der Arteria centralis retinae

Cystoides Makulaödem

Das cystoide Makulaödem stellt eine Komplikation nach einer Vielzahl vaskulärer, traumatischer, iatrogener, infektiöser, immunologischer, degenerativer und hereditärer Netzhauterkrankungen dar — etwa das aphakische cystoide Makulaödem (Irvine-Gass-Syndrom) oder das phakische cystoide Makulaödem bei Zentralvenen- bzw. Zentralvenenastverschluss, Retinitis pigmentosa, diabetischer Retinopathie, Uveitis oder seniler Makuladegeneration.

Der Einsatz der HBO nach den Qualitätsstandards der GTÜM e.V. und des VDD e.V. ist bei dieser Indikation in folgenden Fällen sinnvoll:

  • bei Visusverfall und Skotomen, insbesondere bei deren Fortschreiten
  • nach fundoskopischer und fluoreszenzangiographischer Diagnose
  • nach frustranem konventionellen Therapieversuch, als adjuvante Therapie zusätzlich zur Behandlung der Grunderkrankung, medikamentösen Therapie und ggf. Laserbehandlung oder Pars-plana-Vitrektomie
  • als Erhaltungstherapie nach initialem Therapieerfolg

Therapeutischer Nutzen

Die HBO soll als adjuvante Behandlung nach ophthalmologischer Diagnose und Indikationsstellung möglichst früh nach Scheitern der Standardtherapie eingesetzt werden, sofern klinischer und apparativer Befund die Voraussetzungen für eine Visus- und/oder Gesichtsfeldverbesserung erfüllen. Bei Rezidivneigung soll die HBO als Erhaltungstherapie in durch den klinischen Verlauf und die Grunderkrankung bestimmten Abständen fortgeführt werden. Das therapeutische Zeitfenster ist beim cystoiden Makulaödem aufgrund seiner Chronifizierungstendenz und der großen Redundanz der neuronalen Kanäle großzügig zu bemessen — bei Zentralvenenthrombosen sind noch 23 Monate nach dem akuten Verschlussereignis nahezu komplette Visuserholungen beschrieben. Die Indikation hängt darüber hinaus von der Grunderkrankung, dem klinischen Verlauf, der Resistenz gegenüber der alleinigen konventionellen Therapie sowie dem ophthalmoskopischen und fluoreszenzangiographischen Befund ab.

Spezifische Effekte

Die unter der HBO erreichbaren Sauerstoffpartialdrücke in der von den Ziliararterien gespeisten Choriokapillaris erlauben über eine verlängerte Diffusionsstrecke und eine vergrößerte arteriovenöse Sauerstoffdifferenz eine ausreichende Oxygenierung aller Netzhautschichten. Die erhöhten Sauerstoffpartialdrücke führen über die Autoregulation der Zentralarterien zu einer Vasokonstriktion und Reduktion der Durchblutung, was Endothelleckagen und perivaskuläre Ödeme mindert — der Wiederaufbau der interzellulären Verbindungen zwischen den Endothelzellen wird ermöglicht und die Störung der Blut-Retina-Schranke behoben. Das Ausmaß der Ischämie scheint dabei für das Therapieergebnis entscheidender zu sein als die Schwere des jeweiligen Ödems.

Die Reversibilität axonaler Funktionsstörungen wird durch die Fähigkeit peripherer und zentralnervöser Axone begünstigt, kompensatorisch von aerober zu anaerober Glykolyse zu wechseln — diese Adaptation verzögert den Eintritt einer irreversiblen Gewebeschädigung, ergänzt durch die hohe Redundanz im Makulabereich (nur rund 44 % der neuronalen Kanäle müssen für die volle Sehschärfe erhalten bleiben). Auch eine Abschwächung von Reperfusionsschäden — insbesondere durch verminderte Lipidperoxidation — sowie ein Suppressionseffekt auf die zelluläre Immunantwort (T-Zellsystem) werden diskutiert.

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