Für die folgenden Anwendungsgebiete kommt die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) bislang nur experimentell zum Einsatz — die Wirkungsmechanismen sind noch nicht abschließend geklärt, und eine breite, kontrollierte Studienlage fehlt größtenteils. Betroffene sollten diese Optionen mit ihrem behandelnden Arzt und einem VDD-Zentrum besprechen, nicht als gesicherte Standardtherapie verstehen.
Borreliose: HBO als Chance bei erfolgloser Antibiotika-Therapie
Die hyperbare Sauerstofftherapie führt bei chronischer Borreliose in vielen Fällen zu einer Besserung, wenngleich der Wirkungsmechanismus noch nicht ausreichend aufgeklärt ist — die Therapie kommt daher nur experimentell zum Einsatz. Angenommen wird, dass der hohe Sauerstoffpartialdruck im Körper den Krankheitserreger schädigt oder dezimiert, auch dort, wohin Antibiotika nicht vordringen können. Bei chronischer Borreliose wird die HBO deshalb als Behandlungsversuch angeboten — sie ist eine nebenwirkungsarme Therapie, die auch nach mehreren erfolglosen Antibiotika-Serien noch als weitere Chance bzw. Alternative infrage kommt.
Migräne: nebenwirkungsarme Alternativtherapie
Werden Migräne-Medikamente nicht vertragen oder führen sie zu negativen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, kann die HBO eine neue Option bieten. Durch die hohe Sauerstoffkonzentration im Blut wird innerhalb weniger Minuten eine Engstellung der Blutgefäße im Gehirn bewirkt, wodurch die für die Migräne mitursächliche Gefäßerweiterung wirksam und schnell behoben werden kann. Die HBO kann sowohl zur Behandlung akuter Migräne-Anfälle als auch zur Anfallsprophylaxe eingesetzt werden und hat grundsätzlich wesentlich geringere Nebenwirkungen als Medikamente.
Idiopathische Facialisparese / Bell’sche Lähmung
Eine Facialisparese betrifft oft jüngere Patientinnen und Patienten zwischen 20 und 40 Jahren, meist eine Gesichtshälfte, mitunter begleitet von Beeinträchtigungen des Seh-, Hör- oder Geschmacksvermögens. Der Einsatz der HBO gilt hier als experimentell; ob er im Einzelfall infrage kommt, klärt ein ärztliches Gespräch.
Retinitis pigmentosa: verlangsamter Krankheitsverlauf
Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigt, dass die HBO den Krankheitsverlauf der Retinitis pigmentosa positiv beeinflussen kann: Sie bietet die Chance, den Erblindungsprozess zu verlangsamen, und konnte in Einzelfällen sogar die Sehkraft von Patientinnen und Patienten wieder verbessern.
Was können Betroffene tun?
Sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin auf die hyperbare Sauerstofftherapie als mögliche experimentelle Option an. Ein Druckkammerzentrum des VDD kann im persönlichen Gespräch einschätzen, ob eine HBO-Behandlung im individuellen Fall sinnvoll sein könnte.
Weitere Informationen und Downloads
Quellen
- Vingolo EM, Rocco M, Grenga PL, Salvatore S, Pelaia P. Slowing the degenerative process, long lasting effect of hyperbaric oxygen therapy in retinitis pigmentosa. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2008;246:93–98.
